Der Kampf um Verantwortung

Wer in einer Partnerschaft lebt, der kennt es sicher, das Knistern, welches auch mal schnell zu einem Donnerwetter werden kann. Müll runter tragen, Milch besorgen, an dies und das denken, Bürojob und Haushalt vereinbaren. Da kommen so manche Machtspielchen auf. Doch auch bei Doppelspitzen in Unternehmen gibt es ordentlich Konfliktpotenzial.

Manche Menschen müssen erst zur Jagd getragen werden. Gerade bei Doppelspitzen von Führungskräften ist das immer wieder mal ein Dauerthema. Wenn jemand nur aktiv wird, sobald er auf etwas aufmerksam gemacht wird, kann das schnell zu einem Problem werden – für beide.

Doppelspitze: Wer trägt die Verantwortung?

Ein typisches Beispiel: Das jährliche Strategiemeeting steht kurz bevor – der Termin steht seit einem halben Jahr fest. Die Doppelspitze der Hauptabteilungsleiter muss dem Vorstand die Entwicklung und die Zahlen präsentieren. Hauptabteilungsleiter Müller hat seinen Part der Präsentation fertig und möchte die Charts seines Kollegen Lüdenscheid in die gemeinsame Powerpoint einbauen. Auf Nachfrage ist noch nichts Greifbares fertig – wie jedes Jahr. Und da es kurz vor knapp ist, müssen Lüdenscheid, sein Assistent Holger und auch Müller zwei Nachtschichten einlegen, um am Tag vor dem Meeting die Präsentation zu komplettieren.

Hier stoßen verschiedene Verantwortlichkeiten aufeinander. Die gemeinsame Verantwortung für die Präsentation vor dem Vorstand und die Einzelverantwortung für den eigenen Part der Präsentation.

(Wachsende) Verantwortung ist der Weg vom Kind zum Erwachsenen. Dies sollte auch Lüdenscheid in seiner Position inzwischen gelernt haben. Doch beim Thema der jährlichen Präsentation überlässt er seinem Kollegen Müller die Verantwortung und schafft mit Unterstützung quasi in letzter Minute die Hürde.

Die Frage ist, bei wie vielen Themen es sich bei diesem Duo ähnlich verhält. Denn Verantwortung und Verantwortung für sich selbst übernehmen sind zentrale Beziehungsfragen – nicht nur im heimischen Haushalt, sondern auch im Job.