Interview mit Dr. Eva Kinast

Executive Coach Dr. Eva Kinast im InterviewEin Interview ist immer eine spannende Angelegenheit. Und bei interessanten Fragen entdeckt man auch Dinge, an die man lange nicht mehr gedacht hat. Damit Sie den Menschen hinter dem Coach etwas näher kennenlernen, hier ein kleiner Auszug aus dem Interview.

Welcher Mensch hat Sie stark beeinflusst?

Mein erster Chef. Ich stieg nach der Promotion als Referentin Personalentwicklung in einem internationalen Maschinenbaukonzern ein. Es stand gerade ein großes Projekt „Einführung der Potenzialanalyse im Rahmen des Mitarbeitergesprächs“ an. Mein Chef nahm mich einfach mit ins Projekt hinein; ich konnte durch sein Vorbild lernen, wie solche strategisch bedeutsamen Projekte in einem Unternehmen aufgesetzt und gesteuert werden. Außerdem war er eine tolle Führungspersönlichkeit. Ich wünsche jedem, der Mitarbeiter führt, ein solches Modell zum Lernen.

Wie würden Sie Ihre Lebensphilosophie in wenigen Worten zusammenfassen?

Heraklit hat es so treffend ausgedrückt: “panta rei.” (= Alles fließt.)

Was schätzen Sie an Menschen besonders?

An Menschen schätze ich vor allem Verbindlichkeit.

Ich schätze, wenn jemand nicht nur seine analytische Kopfseite, sondern auch seine emotionale Seite lebt.

Und wenn jemand für sich sorgt, ohne anderen zu schaden, sein Leben lebt – erwachsen, selbstverantwortlich, in Kontakt ist mit seinen Wünschen.

Wen haben Sie in Ihrer Jugend bewundert?

Da fällt mir beim besten Willen niemand ein.

Was gibt Ihnen ein Gefühl der Freiheit?

Ganz früh morgens in die Münchener Innenstadt zu radeln, wenn noch alle Geschäfte geschlossen sind und die LKWs die Waren entladen. Beim Italiener an der Ecke einen Espresso zu trinken, und dem beginnenden Leben “Guten Morgen” zu sagen

Oder auch mal um 6 Uhr morgens mit Inline Skates die Südliche Auffahrtsalle auf der Straße Richtung Schloss zu düsen.

Wozu können Sie nicht „Nein“ sagen?

“Nein” sage ich nur, wenn ich klare Grenzen setze.

Und “Nein” sage ich erst recht nicht, wenn ich zu der italienischen Modedesignerin Elena Berton in die Olgastraße gehe. Diese Handtaschen! Diese Lederjacken! Diese Stiefel! Zum Dahinschmelzen…

Was haben Sie für einen Arbeitsstil?

Ich bin jemand, der die Dinge fertig macht, sie abschließt.

Ich plane, indem ich mir meine Wünsche aufschreibe: Mein Wunsch des Tages. Meine Wünsche für die Woche. Meine Wünsche für den Monat. Meine Wünsche für das Jahr. Meistens erfülle ich mir 95% meiner Wünsche.

Aber was ich noch viel stärker mache: Ich imaginiere das Endergebnis, den Endzustand. Ich male mir diesen Zustand bildlich aus vor meinem inneren Auge, häufig male ich dann sogar das Bild auf ein Zeichenpapier mit Pastellkreiden.

Ich habe eine sehr hohe Eigenmotivation und eine sehr hohe Diszipliniertheit – selbst im Home-Office.

Welches Buch haben Sie mehrmals gelesen – und warum?

“Die dunkle Seite des Mondes” von Martin Suter, ein Roman. Das Buch hatte ich mir vor Jahren gekauft und gelesen. Ich fand´s ganz nett und hob es in meiner Bibliothek auf. Jahre später schenkte mir ein Kollege das Buch noch einmal anlässlich meines Geburtstags (Er weiß, dass ich Pink Floyd sehr mag).

Ich merkte nicht sofort, dass ich das Buch schon einmal gelesen hatte. Aber siehe da: Dieses Mal erkannte ich erst, wie gut dieses Buch ist! In diesem Buch steht nämlich ein ganz bestimmter Satz. Den muss man gelesen haben. Überliest man ihn unbemerkt, bekommt das Buch eine ganz andere Aussage.

Der Satz heißt: “Jetzt weiß ich, dass ich alleine auf dieser Welt bin.” Und vor diesem Hintergrund bekommt der Leser vermittelt, dass alles, was bisher in der Handlung des Buches geschah, eine einzige Projektion war nach dem Motto “Sag mir, mit wem Du Dich umgibst, und ich sage Dir, wer Du bist.” Für mich ist dieses Buch quasi die Psychologen-Bibel.

Welche Komplimente machen Ihnen Freunde, Mitarbeiter und Kunden?

Viele sagen mir, ich sei umsetzungsstark und das mit hoher Geschwindigkeit.

Viele Menschen finden es toll, dass ich Job & Familie so gut unter einen Hut bekomme.

Mein langjähriger Geschäftspartner Drs. Boudewijn Vermeulen hat mich immer bewundert, wie ich alles schaffe (Mann, Kind, Seminar, Wohnung, Büro, Coaching Lounge – und trotzdem noch jung und entspannt auszusehen)

Was ist Ihr Lebensmotto?

Leben und leben lassen.

Was ist Ihre Empfehlung an andere Menschen das Leben zu meistern?

Eigene Kräfte entdecken, kennenlernen, lieben lernen und sich mit ihnen versöhnen (auch die negativen Kräfte in uns erfüllen eine Funktion im eigenen Leben). Einfach die Dinge annehmen.

Was gibt Ihnen das Gefühl, wirklich etwas gelernt zu haben?

Wirklich gelernt habe ich dann etwas, wenn ich es am eigenen Leib erfahren habe. Dann habe ich es verinnerlicht, kann es permanent abrufen. Dann habe ich die Bedeutung der Dinge wirklich verstanden. Das unterscheidet Lernen aus meiner Sicht auch vom Wissenskonsum und der Wissensvermittlung in der Schule und dem Wissen aus dem Internet. Beispiel: Es ist doch ein Unterschied, ob ich mein Kind vor den Fernseher setze, wo es zuschauen kann, wie man einen Kuchen backt, oder ob es unter meiner mütterlichen Anleitung selbst einen Kuchen backt.

Auf welche Frage möchten Sie eine Antwort haben?

Gibt es ein Leben nach dem Tod?

Welche Wendepunkte gab es in Ihrem Leben?

Da fallen mir spontan drei solcher Wendepunkte ein:

  1. Von der Psychologie hin zur BWL: Ich hatte 1990 ein Praktikum bei der HYPO-Bank in Leipzig gemacht. Dort haben wir in 3 Monaten 60 Assessment Center zur Besetzung der neuen Filialen mit Mitarbeitern und der Filialleitung in ganz Ostdeutschland durchgeführt. Gleichzeitig war dort auch eine BWL-Studentin Praktikantin, übrigens auch von der Uni Regensburg. Am Ende des Praktikums waren wir uns einig: Um in der Wirtschaft im Personalbereich sehr gut zu sein, braucht man beides: Psychologische und wirtschaftswissenschaftliche Kenntnisse. Deshalb habe ich dann zum Hauptstudium noch zusätzlich BWL mit Schwerpunkt “Personalwirtschaft und Organisation” studiert.
  2. Von der angestellten Personalentwicklerin zum selbstständigen Coach und erfolgreichen Unternehmerin: Witzigerweise habe ich mir diesen Impuls selbst in einem Coaching gegeben. Mein Coach war seinerzeit Boudewijn Vermeulen. Er war mein Mentor und hat mich dann auch zum Coach und schließlich sieben Jahre zum Coach Educator (Lehr-Coach) ausgebildet.
  3. Von der Single-Karriere-Frau zur KKK-Frau (Karriere-Kind-Küche): Neben dem Beruf lebe ich mein familiäres Glück mit Ehemann und Tochter. Ich bin ein Paradebeispiel für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.