Machtspiele mit Frauen

Die Autorin Dr. Rebekka Reinhard spricht Frauen den Willen zur Macht ab. Sie ordnet den Frauen alle möglichen positiven Eigenschaften zu – außer dem Willen zur Macht. Da ist wohl jemand nicht weit herumgekommen. Frauen sind mächtig – und zwar weitab von Quote und Klischee.

Ich habe mal einen Blick in das Buch von Dr. Rebekka Reinhard “Kleine Philosophie der Macht” (*nur für Frauen) geworfen und bin bei Teil I hängengeblieben.

Der Titel dieses Buchabschnitts zeigt auch gleich, wohin die Reise gehen wird:

“Fußabtreter, Packesel, Zirkuspferde: Frauen am Abgrund”

Das Feindbild ist schnell ausgemacht. Es ist – welch eine Überraschung – der Chef, der “am längerem Hebel sitzt”. Laut der Autorin sieht es so aus: “Der Chef hat die Macht, weil er jederzeit die “Chance” hat, seinen Mitarbeitern das Leben schwer zu machen, besonders seinen weiblichen Mitarbeitern. Er könnte ihr Gehalt nicht erhöhen, sie gegenüber ihren männlichen Kollegen degradieren oder sexuell belästigen.”

Ich frage mich, ob die Autorin schon mal in einem Unternehmen gearbeitet hat oder die Situation nur aus dem Elfenbeinturm der Wissenschaft “kennt”.

Vielleicht bewegen wir uns ja einfach nur in unterschiedlichen Kreisen. Jedenfalls haben die Frauen in meinen Seminaren wesentlich mehr drauf, als die o.g. Sorgen der Philosophin. Die Frau ist keine Beute, die sich – wie die Autorin so schön formuliert – “freiwillig gefallen lässt, was sie sich nicht gefallen lassen will”.

Nicht “passives Erleiden” zeichnet die Frau von heute aus, sondern Selbstbewusstsein, Kommunikationsstärke und gekonntes Spiel mit den Spielregeln – auch mit denen der Macht.

Und diese Frauen wissen auch, dass nicht nur der Mann ein schwerer Gegner sein kann, sondern das Büro mit vielen Mitarbeiterinnen schnell zur Höhle der Löwen wird. Und auch eine Chefin ist nicht zum Kuscheln da, sondern sie verfolgt ihre Ziele mindestens genau so konsequent wir ein Mann in Führungsposition.

Manchmal komme ich mir in das letzte Jahrhundert versetzt vor, wenn ich Sätze lese wie: “Denken zählt zu den am meisten missverstandenen Disziplinen überhaupt. Viele moderne Frauen verwechseln Denken mit Grübeln oder damit, an andere zu denken.” Das sollte mal ein Mann sagen…

Die moderne Frau sitzt eben nicht grüblerisch und mit verheulten Augen hinter ihrem Schreibtisch. Die moderne Frau ist kommunikationsstark und kennt die Transaktionsanalyse ganz genau. Wer die Transaktionsanalyse verinnerlicht hat, der muss nicht über Macht philosophieren, sondern er hat in jeder Situation die Macht zum Handeln. Und wenn eine Frau dabei Defizite hat, kann sie sich die Kenntnisse schnell aneignen.

“Verweigern Sie sich der Opferrolle und befreien Sie sich selbst.” ist auch so ein Satz bei dem ich mich frage, für welche Generation Frauen dieses Buch (Erscheinungsjahr 2015) geschrieben wurde.

Begleitet werden die Ansichten und Einsichten der Autorin durch jede Menge Zitate von Aristoteles und Augustinus bis hin zu Hegel, Kant und Schopenhauer, bei denen die Frauen verständlicherweise nicht immer gut wegkommen.

Ja, die Autorin hat was zu sagen – ohne Frage.  Mein Eindruck ist aber auch: Da hört sich jemand gerne schreiben. Diese Kombination macht es selbst für geneigte Leserinnen mitunter etwas anstrengend.

Buch: Kleine Philosophie der Macht* (*nur für Frauen), Dr. Rebekka Reinhard, ISBN 978-3453280731, EUR 19,99