Ruhe!

Aktives zuhören für Ihren Gesprächserfolg

© contrastwerkstatt – Fotolia.com

Den größten Respekt können Sie einem Menschen entgegenbringen, wenn Sie ihm richtig zuhören. Wenn Sie jemandem zeigen möchten, dass Sie ihn nicht respektieren, dann hören Sie ihm einfach nicht zu.

Kein Wunder also, dass es eine “Stiftung Zuhören” gibt – für Kinder. Die Forschung hat erkannt: Kinder, die gut zuhören, drücken sich besser aus, lernen leichter und sind gegenüber Mitschülern und Lehrern respektvoller.

Mit diesen Punkten hat so mancher Erwachsene seine Schwierigkeiten. Die folgende Situation haben Sie vielleicht auch schon erlebt: Zwei Freunde treffen sich am Stammtisch. Der eine will freudig von seinem Urlaub auf Mallorca erzählen, aus dem er gerade sonnengebräunt zurückgekommen ist. Der andere hört nur das Stichwort und sagt: “Mallorca?! Ich war mal auf der Nachbarinsel Ibiza, da war was los…” Und schon beginnt der zweite Freund seine eigene Story zu erzählen.

Diese Szene ist natürlich weit entfernt von echtem Zuhören. Was gutes, sog. aktives Zuhören ist, darüber hat sich als erster der amerikanische Psychologe Carl Rogers Gedanken gemacht. Aktives Zuhören ist:

  1. Dem anderen zuhören – ohne in dem Moment schon darüber nachzudenken, was man selbst sagen und antworten will.
  2. Die Worte des anderen wirken lassen.
  3. Erst dann überlegen, welche Antwort man geben will und wie man sie formuliert.
  4. Erst dann wirklich antworten.

Ja, in der Theorie ist das alles ganz toll. In der Praxis sieht das sehr häufig anders aus. Sie kennen das sicher. Sie haben das Wort, aber Ihrem Gegenüber sehen Sie schon an, dass er / sie nur auf eine Lücke wartet, um selbst das Wort zu ergreifen. Ihr Gegenüber hört gar nicht mehr richtig zu, weiß schon, was er unbedingt sagen will, bewegt schon etwas die Lippen und wartet nur auf eine Gelegenheit hineinzugrätschen.

Beobachten Sie mal die Profis auf diesem Gebiet, die Politiker. Normalerweise senken wir die Stimme am Satzende. Rhetorisch ausgebildete Politiker machen das Gegenteil. Diese heben am Satzende die Stimme, um anderen möglichst keine Gelegenheit zu geben, selbst das Wort zu ergreifen.

Als Führungskraft sind Sie in vielen Situationen auch der Coach Ihrer Mitarbeiter. Und da ist es wichtig, aktiv zuzuhören. Ein guter Coach hört so lange schweigend zu, bis der Klient bzw. der Mitarbeiter seine Story losgeworden ist. Der Coach schränkt seine Gestik und auch die Mimik stark ein, um den anderen nicht aus dem Redefluss, aus dem Konzept zu bringen. Das könnte ansonsten die Gedanken in eine ganz andere Richtung treiben.

Während es in unserem Kulturkreis oft ein Kampf ist, wer denn nun seine Geschichte erzählen darf, herrschen in anderen Ländern oft sehr unterschiedliche Gesprächssitten. Was Sie bei solchen Gesprächen beachten sollten, lesen Sie hier in der nächsten Woche.