Spielen Sie mit der Macht

Spiele mit der MachtEin Buch erwähnen immer wieder Frauen aus dem Top Management, die zur mir ins Coaching kommen: “Spiele mit der Macht. Wie Frauen sich durchsetzen”. Irgendwann habe ich mir das Buch dann gekauft und gelesen. Übrigens: Der Untertitel des Buches könnte ebenso lauten “Wie Männer sich durchsetzen”.

Das Buch erinnert mich sehr stark an die Zeit, als ich selbst in einem großen Maschinenbauunternehmen eine Führungsposition innehatte. Ich war eine der wenigen weiblichen Führungskräfte, und so musste ich mich tagtäglich gegenüber sehr vielen Männern durchsetzen.

Diese „Machtspielchen“ habe ich also schon am eigenen Leib erlebt und kann sie sehr wohl bestätigen. Vielen meiner weiblichen Coachees aus dem Top Management geht es ebenso.

Zielgruppe: Sowohl als auch

Zielgruppe dieses Buches sind Frauen und Männer in Führungspositionen. Das Buch beschreibt die Unterschiede im Machtspiel zwischen Männern und Frauen.

Weiblichen Lesern sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt, wenn sie bereits eine Führungsposition in einem Unternehmen einnehmen oder diese anstreben. Das Buch hilft Frauen dabei, die eigenen Muster zu reflektieren, wenn es um Macht geht. Und gleichzeitig lernen Frauen die Muster von Männern kennen, wenn es um Macht geht.

Das Buch ist auch für männliche Leser sehr interessant. Einerseits zur Selbstreflexion des männlich geprägten Machtspiels. Andererseits um verstehen zu können, wie Frauen im Machtspiel ticken, vor allem, wenn man(n) Frau in Richtung Führungsposition „fördern“ will.

Das Buch gliedert sich insgesamt in 31 Kapitel – ergänzt um Vorwort, Nachwort und Literaturempfehlungen. Die Kapitel sind mit 2 – 5 Seiten relativ kurz und schnell zu lesen. Eine Ausnahme macht das Kapitel „Checkliste der hinderlichen Sätze“ mit 10 Seiten.

Hier sind die Kapitel im Überblick:

  1. Die Grundregeln des Spiels
  2. Rangordnung vor Inhalt
  3. Immer an die Nummer eins
  4. Glanz vor Glorie
  5. Sanktionen
  6. Wettkampf versus Puppenspiel
  7. Voller Körpereinsatz
  8. Der Lächelreflex und das Pokerface
  9. Unberührbar wie die Queen
  10. Warum Schröder wieder endlos redet
  11. Optische Wirkungen
  12. Foulspiel
  13. Keine Angst vorm schwarzen Mann
  14. Frauen: keine Konkurrenz für Männer
  15. „Du bist die Schönste im ganzen Land“
  16. Ins Abseits gestellt
  17. Die Wirkung von Machtsymbolen
  18. Bekleidungsregeln
  19. Das Beste für die Besten
  20. Visionen helfen
  21. Vom fleißigen Lieschen zur erfolgreichen Lisa
  22. Sie sind es wert – Ihr Gehalt
  23. Die Bar und der Sport – ein Erfolgsrezept
  24. Allianzen
  25. Der Einsatz weiblicher Reize
  26. Die Beliebtheitsfalle
  27. Klipp und klar
  28. Weibliche Stärken
  29. Der Mentor als Lift

Danach kommt die „Checkliste der hinderlichen Sätze“ = weibliche Glaubenssätze, mit denen frau sich verhindert, an die Macht zu kommen.

In Kapitel 31 „Von der Dame zur Königin des Spiels“ gibt es 10 Handlungsanleitungen, mit denen frau das Bild von der Königin visualisieren kann.

Es folgen das Nachwort und weitere Literaturempfehlungen.

Was frau aus dem Buch lernt

Drei Beispiele:

Abgrenzungsorientierte Kommunikation innerhalb einer Rangordnung vs. Inhaltsorientierte Netzwerkkommunikation:

Männer kommunizieren innerhalb einer strengen Rangordnung. Sie nutzen Kommunikation, um sich – vor allem nach unten – abzugrenzen. Männer kommunizieren immer an den Ranghöchsten / die Nummer eins. Frauen hingegen kommunizieren eher in einem offenen Netzwerk. Sie stellen an den unterschiedlichsten Stellen Verbindungen her und sprechen eher in die Runde. Frauen nutzen Kommunikation, um Inhalte rüberzubringen. Sie suchen stets nach Verbündeten.

Beispiel: Ein Meeting oder eine Konferenz ohne klaren Ranghöchsten. Am Tisch sitzen überwiegend Männer. Hier dominiert stets die Rangordnung den Inhalt. Frauen wollen mit Inhalt punkten, Männer mit der Rangordnung. Deshalb beginnen Frauen stets mit einem inhaltlichen Beitrag. Ein inhaltlicher Beitrag in den ersten 15 Minuten der Konferenz interessiert aber keinen der Männer. In den ersten 15 Minuten wird die Rangordnung festgelegt. Dazu wird getrommelt, posiert, Scheininhalte möglichst dominant präsentiert. Frauen fühlen sich hier wie im falschen Film oder im Zoo.

Ausgeprägtes Interesse an Statussymbolen der Macht (Prestige) vs. Rationale praktische Lösungen für den Alltag (Inhalt)

Mann fährt einen dicken schwarzen glänzenden 7er BMW, der schwer und leise durch die Straßen rollt. Frau fährt den Golf, weil er sich viel besser einparken lässt und die Wasserkästen hinten besser reinpassen. Oder viele Frauen fahren sogar mit dem Fahrrad zur Arbeit, weil sie „Bewegung brauchen“, das Fahrradfahren „die Umwelt schont“ usw.. Alles rationale Gründe. Männer dagegen: Mein Auto, mein Haus, meine Jacht, mein Pferd… Es geht auch hier wieder um die Rangordnung. Wenn Frau mit Golf oder Fahrrad in die Tiefgarage fährt, hat sie schon verloren. Andere Statussymbole: die Uhr am Handgelenk (ultrawichtig!), hochwertiger Hersteller des Anzugs, des Kostüms, Position auf der Visitenkarte, iPhone, iPad etc., hochwertiges Schreibgerät…. Größe des Büros….Firmenparkplatz….

Prestigeorientierung vs. „fleißiges Lieschen“:

Frauen neigen viel eher als Männer dazu, Aufgaben zu übernehmen, die erledigt werden müssen. Männer hingegen haben einen ausgesucht guten Instinkt für prestigeträchtige Arbeit und dafür, andere Aufgaben zu vermeiden. “Wenn Du willst, dass etwas erledigt wird, sag es einer Frau. Wenn Du willst, dass über etwas geredet wird, sag es einem Mann.“ (Margaret Thatcher)

Fazit und Kritik

Positiv:

Um es klar zu sagen: Ein gelungenes Buch.

Das Buch öffnet einem die Augen, warum es zwischen Männern und Frauen so häufig zu Missverständnissen kommt.

Es öffnet einem auch die Augen, warum eine Frauenquote tatsächlich sinnvoll sein kann. Denn erst wenn Frauen in Führungspositionen sind, können andere Frauen ihre Art der Machtspiele erfolgreich spielen.

Negativ:

Das Buch ist nicht wissenschaftlich belegt.

Das Buch öffnet einem die Augen, wie man eben auch manipulieren kann (Für Fleißarbeiten nehme ich als Chef grundsätzlich Frauen, für Arbeiten mit Prestige nur männliche Mitarbeiter).

Vom Stil her liest sich das Buch eher wie ein „Hausfrauenreport“ aus den 50er Jahren: „Wie werde ich eine gute Ehefrau?“ resp. „Wie werde ich eine gute Führungskraft?“

Die interkulturelle Perspektive bleibt unberücksichtigt. Die Spiele der Macht unterscheiden sich in den verschiedenen Ländern und Kulturen wesentlich. Hier werden nur die Spiele der Macht in Deutschland beschrieben.

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Angaben zum Buch:

  • Titel: Spiele mit der Macht.
  • Untertitel: Wie Frauen sich durchsetzen
  • Autorin: Marion Knaths
  • 13. Auflage / Juni 2015 (1. Auflage / Februar 2009)
  • Piper Verlag
  • ISBN 978-3-492-25250-8
  • 127 Seiten
  • In deutscher Sprache geschrieben